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Neues vom Burgtheater

Alexander von Humboldts Südamerikareise, grundsätzliche Überlegungen

Warum beschäftige ich mich gerade mit diesem Thema? Warum so ein doch eher sperriges Thema wie eine Reisebeschreibung mit einer schier endlosen Fülle von Naturphänomenen und Ihren Beschreibungen, wissenschaftlichen Messungen und Fakten, Schilderungen von Überlebenskämpfen im Urwald, Savanne und auf den Andenhöhen, Betrachtungen über Land und Einwohner und Reibungen der sozialen Schichten, wird es überhaupt eine Beschreibung? Kann man das mit den Mitteln eines Papiertheater überhaupt bewältigen? Ich habe gut drei Monate gebraucht, um eine Antwort darauf zu finden. Doch zurück zum Anfang.

Wir sind seit März 2020 gefangen in einer für uns soziale Wesen völlig abnormen Situation. Wir müssen Abstand halten: Von einander, von Menschen die wichtig sind für unsere Existenz, das können liebe Verwandte, Freunde und Kollegen sein, unsere Eltern, Großeltern, Enkel und im Fall von uns darstellenden Künstlern unserem Publikum. Wir sitzen mehr oder weniger in einer Grube und können kaum über den Rand sehen, gefangen von einem Virus und in einer Geschichte, die wir nur aus Horrorfilmen oder spektakulären Serien kennen. Und auf einmal finden wir uns da wieder.

Und dann läuft da ein anderer Film gleichzeitig, der mich und viele Mitmenschen ebenfalls beunruhigt: Wieviel Zeit bleibt uns noch, bis das Klima kippt, bis wir unserer Lebensgrundlagen in Chaos versinken sehen, während Menschen gleichzeitig weiterhin bereit sind, auch nur um geringe Vorteile an Macht und Profit, die Zerstörung der Wälder, Meere, ja ganzer Kontinente weiterzubetreiben. Nach dem Motto: Gebt´s MIR, koste es was es wolle.

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass beide „Filme“ in Wirklichkeit ein Film ist, der schon lange läuft und in dem wir alle die Darsteller sind. Das Virus ist als Hauptdarsteller dazugekommen. Ein Hauptdarsteller, den wir selber geschaffen haben, der sich aber gegen uns wendet und der der von uns ge- und zertretenen Natur und Kreatur beispringt. Ein Plot, wie ihn kein Drehbuchschreiber ersinnen könnte.

So kam ich auf den Gedanken, meine Überlegungen und Rückschlüsse in meine Arbeit einfließen zu lassen: Das Papiertheater. Wie wäre es möglich, damit das zu erzählen.

Darstellung der Südamerikareise Alexander von Humboldts und Aimie' de Bonpland`s 1799-1805

in Ausschnitten mit dem Mitteln eines Eidophusikons.

 

Die Südamerikareise gilt bis heute als Forschungsreise, die das moderne Naturbild entscheidend hervorgerufen und geprägt hat. Das in der Aufklärung im 18. Jahrhundert entstehende Weltbild veränderte und erweiterte sich ständig durch eine rasante Anzahl von naturwissenschaftlichen Entdeckungen und technischen Erfindungen, begleitet von der Erforschung der von den europäischen Völkern besetzten und eroberten Kontinente jenseits des Atlantiks und im Süden des Pazifiks. Das machte eine neue Gesamtsicht auf die Natur notwenig, die wir Alexander von Humboldt verdanken.

Bemerkenswert ist, dass das geschah, während Europa von den napoleonischen Kriegszügen überzogen war und auch auf den Meeren gekämpft und die Küsten Europas vielfach unter der englischen Blockade litten, die eine Reise z.B. von Spanien nach Südamerika stark behinderte.

 

Gleichzeitig gab es eine internationale geistige „Republik der Wissenschaftler“, die auch über nationale Interessen und Einschränkungen hinweg miteinander arbeiteten und ein Netzwerk bildeten. Alexander von Humboldt war auch hier federführend.

 

Das Eidophusikon als Mittel der Darstellung der Reise.

 

Das Eidiphusikon, manchmal auch als Wolkentheater bezeichnet, wurde im Februar 1781 am Leicester Square in London eröffnet. Es handelte sich um ein Kleintheater (1,8x2,5m), das mit maßstabgerechten beweglichen Figuren und echten Bühnenbildern und Requisiten dreidimensional bespielt wurde. Es wurden transparente Bilder verwendet, die mit wechselnd-farbigem Licht belebt wurden. Mechanische Geräuschmaschinen simulierten Blitz, Donner, Regen and andere Naturerscheinungen. Die Umbauten fanden bei geschlossenen, kunstvoll gestalteten Vorhängen und zu Musik von Johann Christian Bach statt. Erfinder und Gestalter waren der englischen Schauspieler David Garrick und der englische Maler Philip James de Loutherbourg.

Gezeigt wurden Naturereignisse, wie Sturm, Sonnenaufgänge, Vulkanausbrüche und ähnliches.

Wir begeben uns also in die Bildwelt der Zeitgenossen Alexander von Humboldts, die es uns ermöglicht, sozusagen aus den Blickwinkel der Zeit die Reise zu verfolgen. Das Eidophusikon wurde zwar als Vorläufer des Film angesehen, macht es aber durch seine langsamere Bilderfolge und, gemessen am modernen Dokumentarfilm, Reduktion der Bilder möglich, diese eingehender und konzentrierter aufzunehmen und zu erleben.

 

Wahrnehmung der Umwelt.

Johann Wolfgang von Goethe, der in intensivem Austausch mit Alexander von Humboldt gestanden hatte, haben wir den Hinweis zu verdanken, das der Mensch seine Umwelt subjektiv wahrnimmt. Eine Pflanze, eine Landschaft, ein Tier oder auch der Artgenosse werden individuell unterschiedlich wahrgenommen. Dieses ist ein wesentlicher Faktor, der auch die Reise durch Teile Südamerikas kennzeichnet. Den vielfachen Beobachtungen und Messungen und den Sammlungen von Daten, Pflanzen, Tieren und Gesteinen stehen die zahlreichen Tagebucheintragungen gegenüber, die von persönlichen Begegnungen mit Einwohnern, der Wahrnehmungen des Urwaldes und der Vulkanwelt der Anden, dem ständigen Ringen der Natur mit sich selbst im Überlebenskampf und den vielfachen persönlichen Einschränkungen, Leiden und Mühsalen gegenüber. Aber wir lesen auch von der Lust an der Entdeckung von unbekannten Lebensräumen, der euphorischen Begeisterung für kleinste Details. Dieses alles fand Eingang in die Erkenntnis, das die Natur ein großes gemeinsames Ganzes ist und sich auch nur so beschreiben und erkennen läßt. Eine Darstellung war das Naturgemälde: Eine Geographie der Pflanzen in den Tropenländern, ein Naturgemälde der Anden, stellvertretend für die gesamte Natur.

 

Humboldt als moderne Netzwerker.

 

Schon während der Reise und natürlich auch danach war Humboldt sowohl in Amerika als auch in Europa weit bekannt. Er war ein außerordentlich eifriger Briefeschreiber und berichtete gleiches oft an mehrere Adressaten in verschiedenen Ländern gleichzeitig. Da die Post durch Schiffsbrüche, Kriege und Blockaden häufig abgefangen oder auch vernichtet wurde, war das der Weg, sich Gehör zu verschaffen und Berichte und Forschungsergebnisse bekannt zu machen. Einer der häufigsten Adressaten war sein Bruder Wilhelm, der im preußischen Staatsdienst stand und ihn häufig für sein unpatriotische Haltung kritisierte.

Ebenso verfuhr er mit den Sammlungen, die er aufteilte und an wissenschaftliche Kollegen in England und Frankreich schickte. Einen kleineren Teil behielt er als Handapparat bei sich.

Außerdem verfasste er zahlreiche Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, veröffentliche später Bücher zu verschiedensten Themen und stand mit Persönlichkeiten wie Bolivar, den Befreier des südamerikanischen Nordens oder dem nordamerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson in freundschaftlicher Verbindung. Die Verbindung und der Austausch mit anderen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen war eine Selbstverständlichkeit .

Damit erreichter er ein Höchstmaß am Popularität schon zu Lebzeiten.

Stationen der Reise.

Start in Spanien Station auf Teneriffa, Atlantiküberquerung, Landung wegen Typhus an Bord ion Kummana´. Von dort erste große Entdeckungsreise in das Orinoko und Amazonasgebiet.

Rückkehr, Abstecher nach Kuba, Reise nach Cartagena um nach Lima weiterzureisen, um den franz. Kapitän Baudin zu treffen. Reise nach Bogota. Auf dem Weg dahin Besteigung div. Vulkane u.a. des Cimborazo.